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17 October 2016

Die nicht mehr länger stille Gegenrevolution

1977 veröffentlichte Ronald Inglehart sein weithin gefeiertes Buch „Die stille Revolution“, in dem er darlegte, dass sich im Westen eine „stille Revolution“ ereigne, die diesen von Grund auf verändere.[1] Der beispiellose Wohlstand, den die westlichen Nationen während des Kalten Kriegs und angesichts des Ausbleibens eines totalen Kriegs erfahren durften, trug laut Inglehart zu einem schrittweisen Transformationsprozess von materialistischen individuellen Werten zu postmaterialistischen bei. Sobald die Bedürfnisse des physischen Überlebens gestillt sind, beginnen Menschen ihre Bedürfnisse nach Liebe, Zugehörigkeit und Wertschätzung zu stillen. Damit rückt die Bedeutung „intellektueller und ästhetischer Zufriedenheit“ bzw. sog. postmaterialistischer Werte ins Zentrum. In der politischen Sphäre wurde die „stille Revolution“ laut Inglehart von zwei bedeutenden Trends unterstützt: 1) „Eine Verlagerung von einem überwiegenden Schwerpunkt auf Materialverbrauch und Sicherheit hin zu einer größeren Sorge um die Lebensqualität“; und 2) „eine Zunahme an politischen Fähigkeiten in den westlichen Öffentlichkeiten, die es ihnen erlaubte, eine aktivere Rolle beim Fällen wichtiger politischer Entscheidungen zu spielen.“[2] Natürlich waren die Postmaterialisten nur eine Minderheit in den westlichen Gesellschaften, aber wohl die am besten ausgebildete und aktivste in der Politik. Postmaterialisten waren auch die zentrale treibende Kraft bei der europäischen Integration und bei der Förderung einer kosmopolitischen Identität.

19 August 2016

Welcome to illiberal democracy

Co-authored by Anton Shekhovtsov and Peter Pomerantsev

One after another the narratives that prop up belief in western liberal democracy have fallen. Ideal financial system? Not after the 2008 crisis and the euro. Military superiority? Iraq and Afghanistan have put an end to that. Effective politics? See gridlock in Washington DC and arm-twisting in Brussels.

Now the final, perhaps most fundamental, narrative risks unravelling. The supremacy of liberal democracy is rooted in the triumph of 1989: the liberation of Central Europe from the Kremlin’s authoritarianism; Václav Havel emerging from prison to become President in Prague Castle; the successful transition to democracy via European Union membership and the security blanket of NATO. The latter process was particularly important for the post-socialist states. Already in the 1990s, the prospect of the EU membership served as an impetus for reform of inefficient economies and dysfunctional political systems. At the same time, NATO provided security guarantees to the new democratising societies in Central and Eastern Europe that witnessed Russian destabilising activities in Moldova and Georgia in 1992—activities that resulted in the infringement of territorial integrity and dramatically hampered democratisation in these post-Soviet states.